Ersatzteil drucken, wenn es kein 3D-Modell gibt
Von Patrick Garmatz · Veröffentlicht am
Ein Ersatzteil lässt sich auch ohne 3D-Modell drucken. Wir konstruieren es nach, am besten anhand des defekten Teils, oft reichen auch Fotos mit Maßangaben. Meist sieht die Lage so aus: Ein Kunststoffteil ist gebrochen, das Gerät funktioniert deshalb nicht mehr, und beim Hersteller gibt es das Teil seit Jahren nicht mehr. Das ist der mit Abstand häufigste Fall, mit dem Menschen bei uns ankommen. Fast immer fehlt dabei genau das, was ein 3D-Drucker eigentlich braucht: eine Datei. Das ist kein Hindernis, es ändert nur den Ablauf.
Warum es für alte Teile keine Dateien gibt
Hersteller geben ihre Konstruktionsdaten nicht heraus. Das gilt für die Waschmaschine genauso wie für den Rasenmäher oder das Wohnmobil. Wenn ein Gerät aus der Ersatzteilversorgung fällt, verschwindet damit auch jede Möglichkeit, an das Original heranzukommen.
Für Sie heißt das: Das Teil muss neu entstehen, nachkonstruiert anhand dessen, was noch vorhanden ist. Genau das machen wir bei Ersatzteilen regelmäßig.
Was wir statt einer Datei brauchen
Am besten das defekte Teil selbst. Auch wenn es in mehrere Stücke zerbrochen ist, lässt es sich meist vermessen, solange die Bruchstellen zusammenpassen. Schicken Sie es uns einfach zu.
Geht das nicht, reichen in vielen Fällen Fotos mit Maßangaben. Wichtig sind dabei die Maße, die wirklich passen müssen: Lochabstände, Durchmesser, Materialstärke an den kritischen Stellen. Ein Messschieber ist hilfreich, ein Lineal tut es bei einfachen Teilen auch.
Und immer nützlich: um welches Gerät es geht, Hersteller, Modell, Baujahr. Manchmal finden sich dazu Explosionszeichnungen oder Maßangaben, die uns Arbeit sparen.
Gute Fotos vom defekten Teil
Legen Sie das Teil auf eine einfarbige Fläche und fotografieren Sie es von oben, von der Seite und von unten. Ein Lineal oder ein Geldstück mit im Bild gibt uns den Maßstab. Drei brauchbare Fotos ersparen meist mehrere Rückfragen.
Wie die Nachkonstruktion abläuft
Zuerst vermessen wir das Teil und klären, welche Flächen tatsächlich Funktion haben. Das ist der entscheidende Schritt, denn ein Ersatzteil muss nicht dem Original gleichen, es muss seine Aufgabe erfüllen. Häufig lassen sich Details weglassen, die nur aus der Spritzgussfertigung stammen und für die Funktion keine Rolle spielen.
Danach entsteht ein 3D-Modell, aus dem wir einen ersten Druck machen. Bei Teilen mit Passungen ist dieser erste Druck oft ein Probeteil in günstigem Material, das nur zum Prüfen dient. Sitzt alles, drucken wir im endgültigen Material.
An dieser Stelle ist der 3D-Druck anderen Verfahren überlegen. Eine Korrektur um wenige Zehntelmillimeter bedeutet eine Änderung im Modell und einen neuen Druck. Bei einem Spritzgussteil wäre dafür ein neues Werkzeug fällig.
Wann sich der Nachbau lohnt
Er lohnt sich fast immer, wenn das Originalteil nicht mehr erhältlich ist und das Gerät sonst funktionsfähig wäre. Ein Halter, ein Zahnrad, eine Abdeckung oder ein Gurtwickler kostet als Nachbau einen Bruchteil eines Neugeräts.
Er lohnt sich nicht, wenn das Teil noch regulär lieferbar ist. Ein Serienteil aus dem Spritzguss ist in der Herstellung günstiger als jeder Einzeldruck, da sollten Sie zuerst beim Hersteller oder im Ersatzteilhandel schauen.
An Grenzen stößt der Nachbau bei Teilen, die hohe Kräfte aufnehmen oder dauerhaft heiß werden. Möglich ist vieles davon mit den faserverstärkten Materialien wie PA6-CF, aber es will vorher besprochen sein.
Die Materialfrage beim Ersatzteil
Sie hängt daran, wo das Teil sitzt. Im Innenraum ohne große Belastung reicht meist PETG, das zäher ist als PLA und Feuchtigkeit verträgt. Für Teile, die Wärme abbekommen, etwa im Motorraum oder in Gerätenähe, kommt ABS infrage.
Bei Dichtungen, Puffern und allem, was nachgeben muss, drucken wir TPU. Und wenn ein Teil wirklich Kraft aufnimmt, greifen wir zu den faserverstärkten Materialien.
Sie müssen sich dabei nicht festlegen. Beschreiben Sie, wo das Teil sitzt und was es aushalten muss, dann schlagen wir das passende Material vor. Was der Druck dann kostet, hängt an Größe und Einstellungen, die Zusammenhänge dazu stehen im Artikel zu den Druckkosten.
Wenn Sie doch eine Datei haben
Dann geht es deutlich schneller. Laden Sie sie in den Kostenrechner und Sie sehen sofort, was der Druck kostet. Wir akzeptieren STL, 3MF und OBJ.
Auch fertige Modelle aus den großen Online-Bibliotheken funktionieren. Prüfen Sie dabei nur, ob die Lizenz eine Fertigung durch Dritte erlaubt, und rechnen Sie damit, dass Maße aus fremden Modellen nicht immer stimmen. Ein Probedruck ist in solchen Fällen gut investiert.
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