Was ist G-Code? Die Sprache, die jeder 3D-Drucker spricht

Von Patrick Garmatz · Veröffentlicht am

G-Code ist eine lange Liste einfacher Textbefehle, die einem 3D-Drucker Zeile für Zeile sagen, wohin er fahren und wie viel Material er dabei auftragen soll. Mit dem 3D-Modell selbst kann der Drucker nichts anfangen. Deshalb wird jede STL-Datei vor dem Druck in G-Code übersetzt, auch bei uns. Wer versteht, was dabei passiert, versteht auch, warum dasselbe Modell mal zwei und mal sechs Stunden Druckzeit braucht.

Was steht in einer G-Code-Datei?

G-Code ist reiner Text und besteht aus Maschinenbefehlen, die der Drucker stur von oben nach unten abarbeitet. Eine typische Zeile sieht so aus: G1 X50 Y30 E2.4. Übersetzt heißt das: Fahr in gerader Linie zur Position X 50 mm, Y 30 mm und drücke dabei 2,4 mm Filament durch die Düse. Dazu kommen Befehle wie „heiz die Düse auf 210 °C", „heiz das Druckbett auf 60 °C" oder „schalte den Bauteillüfter ein".

Aus solchen simplen Anweisungen besteht die komplette Datei. Bei einem normalen Bauteil kommen dabei schnell mehrere hunderttausend Zeilen zusammen. Jede einzelne Bewegung der Düse, jede Schicht und jeder Temperaturwechsel steht dort explizit drin. Der Drucker selbst denkt nicht mit. Er führt nur aus, was im G-Code steht.

Vom 3D-Modell zum G-Code: der Slicer

Die Übersetzung übernimmt ein Programm, das Slicer heißt. Der Name kommt vom englischen „to slice", schneiden: Der Slicer zerlegt das 3D-Modell in dünne horizontale Schichten und berechnet für jede Schicht den Weg, den die Düse fahren muss. Wie das Schichtprinzip beim FDM-Druck grundsätzlich funktioniert, haben wir in einem eigenen Artikel erklärt.

Im Slicer fallen alle wichtigen Entscheidungen: Schichthöhe, Füllgrad, Stützstrukturen, Druckgeschwindigkeit, Temperaturen. Das Modell selbst bleibt dabei unverändert, aber je nach Einstellungen entsteht komplett unterschiedlicher G-Code. Genau diesen Schritt macht übrigens auch unser Kostenrechner: Beim Hochladen wird die STL-Datei im Hintergrund von einem Slicer verarbeitet. Daher wissen wir in Sekunden, wie viel Material das Teil braucht und wie lange der Druck dauert. Daraus ergibt sich dann der Preis.

Gleiche Datei, anderer Preis

Dasselbe Modell kann je nach Slicer-Einstellungen sehr unterschiedlich lange dauern. Feine Schichten von 0,1 mm und hoher Füllgrad verdreifachen die Druckzeit schnell gegenüber 0,3 mm mit Standardfüllung. Weil die Maschinenzeit direkt in den Preis eingeht, lohnt es sich, nur dort Qualität zu bestellen, wo sie gebraucht wird.

Warum der G-Code über die Druckqualität entscheidet

Gleiches Modell, gleicher Drucker, gleiches Material. Trotzdem können die Ergebnisse völlig unterschiedlich ausfallen. Der Unterschied liegt im G-Code. Ob die Düse an Außenkanten langsamer fährt, wie stark der Lüfter bei Überhängen kühlt, mit welcher Temperatur eine dünne Wand gedruckt wird: All das steht im G-Code und entscheidet darüber, ob eine Oberfläche sauber wird oder Fehler zeigt.

Jedes Material braucht dabei andere Einstellungen. PLA will viel Kühlung und moderate Temperaturen, PETG das Gegenteil. Gute Slicer-Profile für jede Material-Drucker-Kombination sind Erfahrungssache. Als Druckdienstleister ist genau das unser Job. Sie liefern das Modell, wir sorgen dafür, dass der G-Code dazu passt.

Muss ich G-Code können, um drucken zu lassen?

Nein. Für einen Druckauftrag bei uns reicht die STL-Datei. Das Slicing, die Profilwahl und die Kontrolle des G-Codes übernehmen wir. G-Code lesen oder gar von Hand schreiben muss heute übrigens auch kaum noch jemand, der selbst druckt: Moderne Slicer erledigen das vollautomatisch.

Trotzdem schadet es nicht zu wissen, dass hinter jedem Druck diese Befehlsliste steckt. Denn sie erklärt, warum Druckzeit und Preis nicht am Modell allein hängen, sondern an den Entscheidungen, die beim Slicing getroffen werden.

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