Was kostet ein 3D-Druck?
Von Patrick Garmatz · Veröffentlicht am · zuletzt geprüft am
Der Preis eines 3D-Drucks ergibt sich aus zwei Größen: dem Materialverbrauch in Gramm und der Maschinenzeit in Stunden. Wie hoch beide ausfallen, hängt stärker vom Bauteil und von den Einstellungen ab, als die meisten erwarten. Ein Stück Kunststoff von der Größe einer Streichholzschachtel kann je nach Einstellungen in zwanzig Minuten fertig sein oder in drei Stunden. Eine Preisliste pro Teil gibt es im 3D-Druck deshalb nicht. Für jedes Modell wird neu gerechnet, und an dieser Rechnung können Sie selbst einiges drehen.
Der Preis besteht aus zwei Posten
Am Ende stehen immer dieselben zwei Größen: wie viel Material das Bauteil verbraucht und wie lange die Maschine dafür läuft.
Der Materialverbrauch wird in Gramm gerechnet und hängt am Volumen des Teils, an der Wandstärke und am Füllgrad. Die Druckzeit hängt an der Bauteilhöhe, der Schichthöhe und daran, wie viele Wege die Düse pro Schicht fahren muss. Beides ermittelt ein Slicer automatisch aus Ihrer Datei, genau der Schritt, den wir im Artikel zu G-Code beschrieben haben.
Wichtig ist der zweite Posten: Die Maschinenzeit läuft unabhängig davon weiter, ob das Teil aus dem günstigsten oder dem teuersten Kunststoff besteht. Bei kleinen, filigranen Bauteilen macht deshalb häufig nicht das Material den Preis, sondern die Stunden, die der Drucker damit beschäftigt ist.
Schichthöhe: der größte einzelne Hebel
Die Schichthöhe legt fest, wie dick jede einzelne Lage ist. Üblich sind Werte zwischen 0,1 und 0,3 mm. Ein Bauteil mit 0,1 mm braucht rund dreimal so viele Schichten wie dasselbe Bauteil mit 0,3 mm, und damit grob die dreifache Druckzeit.
Dafür bekommen Sie eine feinere Oberfläche. Die Frage ist nur, ob die an dieser Stelle gebraucht wird. Bei einem Funktionsteil, das später in einem Gehäuse verschwindet, sieht die Schichtstruktur ohnehin niemand. Bei einer Figur oder einem Ausstellungsstück lohnt sich der Aufwand.
Unsere Erfahrung: Bei Teilen, die verbaut werden, reicht die gröbere Einstellung fast immer aus. Genau deshalb steht sie im Kostenrechner als Standard und lässt sich gezielt ändern.
Die vier Stellschrauben
Schichthöhe, Füllgrad, Wandstärke und Bauteilausrichtung. In dieser Reihenfolge wirken sie sich auf den Preis aus. Wer an einer einzigen Schraube dreht, nimmt fast immer die Schichthöhe.
Füllgrad und Wandstärke
Gedruckte Teile sind innen nicht massiv, sondern von einem Gitter durchzogen. Der Füllgrad gibt an, wie dicht dieses Gitter ist. Bei Dekoobjekten reichen niedrige Werte, bei Bauteilen, die Kraft aufnehmen, braucht es mehr.
Der Sprung von einem niedrigen auf einen sehr hohen Füllgrad kostet spürbar Material und Zeit, bringt bei den meisten Anwendungen aber keinen entsprechenden Gewinn an Festigkeit. Mehr Wandschichten außen sind dafür oft wirksamer als ein dichteres Inneres, weil die Außenwände den größten Teil der Last tragen.
Wenn Sie unsicher sind, geben Sie uns einfach die Belastung an, der das Teil standhalten soll. Wir wählen die Werte dann passend.
Ausrichtung und Stützstrukturen
Ein 3D-Drucker baut von unten nach oben. Material, das in der Luft anfangen würde, braucht eine Stützkonstruktion darunter. Die wird mitgedruckt, kostet Material und Zeit und wird anschließend weggebrochen.
Überhänge bis etwa 45 Grad kommen ohne Stützen aus. Alles, was flacher in den Raum ragt, braucht welche. Deshalb entscheidet die Lage des Bauteils auf der Druckplatte mit über den Preis. Dasselbe Modell, um 90 Grad gedreht, kann ohne jede Stützstruktur auskommen.
Wer schon beim Konstruieren daran denkt und steile Überhänge vermeidet, spart an zwei Stellen gleichzeitig: beim Druck und bei der Nacharbeit.
Die Stückzahl ändert am Einzelpreis nichts
Im Spritzguss wird jedes weitere Teil günstiger, weil sich die Werkzeugkosten auf mehr Stück verteilen. Im 3D-Druck gibt es keine Werkzeuge, also auch keinen solchen Effekt. Der erste Druck kostet dasselbe wie der fünfzigste.
Das klingt wie ein Nachteil, ist bei kleinen Mengen aber genau umgekehrt: Sie zahlen keine Anlaufkosten und keine Mindestabnahme. Ein einzelnes Teil ist deshalb überhaupt erst wirtschaftlich möglich. Die einzige Untergrenze ist unser Mindestbetrag von 10 € pro Auftrag. Ab welcher Menge sich andere Verfahren lohnen, hängt am Bauteil, für Kleinserien bleibt der Druck aber oft lange die günstigere Lösung.
Das Material spielt mit, aber nicht allein
Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Kunststoff in unserem Sortiment liegt ein deutlicher Unterschied pro Kilogramm. PLA ist am wirtschaftlichsten, die faserverstärkten Materialien wie PA6-CF liegen am oberen Ende.
Weil Bauteile aber selten viel wiegen, schlägt dieser Unterschied bei kleinen Teilen weniger durch als erwartet. Erst bei größeren oder massiveren Bauteilen wird die Materialwahl zum dominierenden Posten. Nehmen Sie im Zweifel das günstigste Material, das die Anforderung noch erfüllt. Das stärkste verfügbare ist selten nötig.
So bekommen Sie eine konkrete Zahl
Rechnen müssen Sie das alles nicht selbst. Laden Sie Ihre Datei in den Kostenrechner, dann läuft im Hintergrund derselbe Slicer, der später auch den Druckauftrag vorbereitet. Sie sehen den Preis in Sekunden, ohne Anmeldung.
Danach können Sie Material und Qualität umstellen und sofort sehen, was das ausmacht. So lassen sich die Stellschrauben aus diesem Artikel durchprobieren, bevor Sie sich festlegen.
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